ANN: Auktionskataloge – ihre Provenienzen, Annotationen und Funktionen: Die Bibliothek der Kunsthistorischen Forschungsstätte Paris (1942-44), Monday, 13/05/2019

Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra / Sabine Scherzinger, M.A. / Julia Schmidt, M.A., Main

The lecture begins at 6:15 pm and is held in Room A 111, Architecture Building of the TU, Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin.

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Abstract: Circa 3.080 deutsch- und französischsprachige Bücher, darunter eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Auktionskatalogen, gelangten im Zuge der Gründung der Johannes Gutenberg-Universität durch die französische Militärregierung im Jahre 1946 nach Mainz und bildeten dort den Grundstock der Bibliothek des Instituts für Kunstgeschichte. Diese Buchbände stammten aus der Bibliothek der ehemaligen Kunsthistorischen Forschungsstätte (KHF) in Paris (1942-44) und waren in Folge der Evakuierung der KHF im Jahre 1944 in verschiedene Depots ins Rheinland verbracht worden.

Die Gründung der ehemaligen Kunsthistorischen Forschungsstätte in Paris war während der deutschen Besatzung auf Betreiben des Bonner Ordinarius für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Alfred Stange (1894-1968), und des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung im Jahr 1942 erfolgt. Zum Direktor wurde Dr. Hermann Bunjes (1911-1945) ernannt, der bis zu diesem Zeitpunkt im Kunstschutz der Militärverwaltung als verantwortlicher Referent in Paris tätig gewesen war, dadurch detaillierte Kenntnisse über die Aufbewahrungsorte von Kunstgegenständen hatte sowie umfangreiche Kontakte zu den auf dem französischen Kunstmarkt agierenden Personen unterhielt.

Seit Anfang 2017 untersucht ein vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördertes Projekt in Mainz die Provenienz des Buchbestandes dieser ehemaligen KHF und die Funktion der Bibliothek im Kontext des organisierten, verfolgungsbedingten Kunstraubes im Paris während der Okkupation. Der Vortrag gibt einen Einblick in das Projekt und legt den Fokus insbesondere auf die circa 1.800, zum Teil annotierten Auktionskataloge des Hôtel Drouot, der Galerie Georges Petit und der Galerie Charpentier, die sich heute im Mainzer Bestand befinden.

Ein Großteil dieser Kataloge stammt aus einer Schenkung des Pariser Kunsthändlers Étienne Bignou (1891-1950), der während der Okkupation Verbindungen zu Vertretern verschiedener Museen im Rheinland pflegte und zahlreiche Verkäufe von Gemälden an diese vermittelte. Es soll daher insbesondere am Beispiel Bignous aufgezeigt werden, welche Rolle die während der Okkupation gegründete und von Bunjes geleitete Pariser KHF sowie ihre Bibliothek, insbesondere ihr außergewöhnlich hoher Bestand an Auktionskatalogen, bei den Kunstmarkt- und Kunstraubnetzwerken zwischen deutschen Museen und französischen Akteuren spielte.

Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra, Mainz

Elisabeth Oy-Marra ist Professorin am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der Künstlerbiografik und Historiografie sowie der Wissens- und Sammlungsgeschichte der Frühen Neuzeit. Unter anderem leitet sie zusammen mit Dr. Michael Hansen (Universitätsbibliothek) das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierte Projekt „Die Provenienz des Mainzer Buchbestandes aus der Kunsthistorischen Forschungsstätte Paris (1942-44)“. Sie ist Herausgeberin der zweisprachigen Edition von Belloris Viten. Band I, der Bellori’s Idea gewidmet ist, wurde von ihr kommentiert und mit einem umfangreichen Essay versehen. Er ist 2018 im Wallstein Verlag in Göttingen erschienen.

Sabine Scherzinger, M.A., Mainz

Sabine Scherzinger studierte Kunstgeschichte, Theologie und Mittlere und Neuere Geschichte in Mainz, Valencia und Paris und promoviert derzeit bei Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra zur Wissens- und Netzwerkbildung im Rom des frühen 18. Jahrhunderts am Beispiel des Sammlers Filippo Antonio Gualtieri. Von 2015 bis 2019 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und im WS 2018/2019 vertrat sie die Assistenz am kunsthistorischen Institut der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Darüber hinaus forscht sie seit 2017 als Mitarbeiterin in dem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg geförderten Projekt „Die Provenienz des Mainzer Buchbestandes aus der Kunsthistorischen Forschungsstätte Paris (1942-44)“.

Julia Schmidt, M.A., Mainz

Julia Schmidt studierte Archäologie, Kunstgeschichte und British Studies an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und promoviert seit 2017 bei Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra zum Thema „Vespasiano Gonzaga Colonna. Die Legitimation und Selbstdarstellung des Herrschers von Sabbioneta in Bildwerken“ (Arbeitstitel). Sie ist zudem seit 2017 wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt „Die Provenienz des Mainzer Buchbestandes aus der Kunsthistorischen Forschungsstätte Paris (1942-44)“, das an der Johannes Gutenberg-Universität bei der Kunstgeschichte und der Universitätsbibliothek angesiedelt ist und von Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra und Dr. Michael Hansen geleitet wird.