
Provenienzforschung hat die aktive Beteiligung deutscher Museen und Sammlungs-einrichtungen am systematischen Raub jüdischen Eigentums im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung und Entrechtung jüdischer Sammler:innen in den letzten Jahren zunehmend sichtbar gemacht. Die Ergebnisse dieser Forschung zeigen aber auch, wie und auf welche Weisen diese vor 1933 in eine städtische und überregionale Kunst- und Kulturszene eingebunden waren. Daraus resultiert ein neues Selbstverständnis der Kunstmuseen im Kontext der Erinnerung an NS-Unrecht: Ein transparenter und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Geschichte ist ebenso Aufgabe der Institutionen wie das Erinnern an die jüdischen Familien, die einst mit ihnen verbunden waren, und die Restitution dieses verlorenen Wissens zu den eigenen Beständen.
In diesem Jahr würdigt der Freistaat Sachsen die Gründung des ersten sächsischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden im Jahr 1926 in einem „Jahr der jüdischen Kultur“ mit einem weitgespannten Veranstaltungsprogramm. Am Themenjahr beteiligen sich das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI) und das Museum der bildenden Künste (MdbK) unter anderem mit zwei Ausstellungen. Die vom MdbK geplante große Sonderausstellung „Vier Wände voller Kunst. Jüdische Familien und ihre Sammlungen in Leipzig“ (Laufzeit: 01.10.2026 bis 31.01.2027) steht im Kontext eines seit 2025 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts, das die Rolle jüdischer Sammler:innen in der Kunst- und Kulturszene Leipzigs erforscht. Die Ausstellung stellt elf jüdische Familien vor, die in besonderem Maße mit dem MdbK verbunden waren und präsentiert Kunstwerke aus ihren Sammlungen.
Die in das Forschungsprojekt „‚Betrieb und Idee‘. Salman Schockens Universum im Jerusalemer Archiv“ eingebettete Ausstellung „Berlin/Jerusalem. Die Gärten Salman Schockens“ im DI (Laufzeit: 12.10.2026 bis 30.09.2028) widmet sich der erzwungenen Emigration des Unternehmers, Verlegers und Sammlers, der in den 1920er Jahren in enger Verbindung mit sächsischen Kunsthändlern und -museen wie dem König Albert Museum in Zwickau gestanden hatte – und seine eigene Sammlung nach Jerusalem zu retten vermochte.
In der gemeinsam konzipierten Tagung geht es um die Geschichten jüdischer Sammler:innen und ihres Eigentums, Infrastrukturen und Ökonomien des privaten Sammelns sowie auch Restitutionsprozesse und konfliktreiche Gespräche über den Verbleib von Kulturgut nach 1945.
For additional information, visit arthist.net <http://arthist.net/> (the source of this call): https://arthist.net/archive/51975
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