
Sammeln erforschen – internationale, nationale und regionale Bestandsaufnahme und Perspektivierung.
Das Sammeln gehört zu den grundlegenden kulturellen Praktiken. In seiner historischen und begrifflichen Nähe zum Archiv bildet es bis heute einen wesentlichen Bestandteil kultureller Selbstverständigung. Sammeln ist zugleich Bewahren, Ordnen, Verdichten, Verhandeln von Bedeutung, Erinnerung und Zukunft.
Die geplante Tagung „Sammeln erforschen“ nimmt diese doppelte Bewegung – das Sammeln als kulturelle Praxis und das Sammeln als Forschungsgegenstand – zum Ausgangspunkt: Wie lässt sich das Sammeln selbst theoretisieren, historisieren und in seiner gesellschaftlichen wie epistemischen Relevanz beschreiben? Welche Ordnungsprinzipien, Motivationen und Akteurskonstellationen leiten das Sammeln? Welche kulturellen Konstrukte entstehen aus Sammlungen – und welche werden in ihnen sichtbar?
Sammeln zeigt sich dabei stets als heuristische Praxis: Es ist weder an institutionelle Obligationsstrukturen gebunden noch rein subjektiv, sondern entsteht im Spannungsfeld von individueller Motivation, kulturellem Gedächtnis und gesellschaftlichen Diskursen. Die Genese und der Habitus von Sammlungen bedürfen daher klarer Referenzpunkte, die sich – so die These des Projektes – in der Relation von Internationalität, nationalem Geltungsanspruch und regionaler Verortung bestimmen lassen. Regionen, Orte und kulturelle Topographien sind nicht nur Schauplätze, sondern strukturierende Elemente einer räumlich situierten Erinnerungskultur.
Exemplarische Fallstudien aus Amsterdam, dem Rheinischen Braunkohlerevier, Köln, Dresden und Göttingen zeigen: Sammeln fungiert als Rettungsakt, als intellektuelles Selbstvergewisserungsprojekt, als städtische Avantgardepraxis, als Forschungsarchiv oder als kulturelle Gedächtnisleistung. Es stiftet Erinnerungsgemeinschaften ebenso wie Vergessensgemeinschaften, es konstituiert Räume der Deutungshoheit und bietet – im Sinne von Jan und Aleida Assmann, Pierre Nora, Maurice Halbwachs, Aby Warburg oder Giorgio Agamben – Zugang zu kollektiven Gedächtnis- und Zeitstrukturen.
For additional information, visit moderneimrheinland.wordpress.com/2026/02/05/cfp-sammeln-erforschen-internationale-nationale-und-regionale-bestandsaufnahme-und-perspektivierung/
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